Orthopädie & Unfallchirurgie
Prof. Dr. Fritz Meznik †
Fritz Meznik wurde am 10. August 1923 in Wien geboren. Er entstammt einer hohen Beamtenfamilie, sein Vater war Sektionschef im Unterrichtsministerium. Er maturierte am Schottengymnastium in Wien 1941. Im Anschluss daran war Fritz Meznik bis 1945 Angehöriger der deutschen Wehrmacht und bis März 1948 in englischer Kriegsgefangenschaft. Nach einer kurzfristigen, krankheitsbedingten Entlassung aus der Wehrmacht studierte er im Winter 1941/42 an der Universität in Wien das erste Semester Medizin. Im März 1948 setzte er das Medizinstudium in Wien fort und promovierte am 21. März 1951 trotz aller kriegsbedingten Umstände im Alter von 28 Jahren.
Beruflicher Werdegang
Vor dem Eintritt an die orthopädische Universitätsklinik absolvierte er die Gegenfächer Pathologie und Innere Medizin, trat dann an der I. Chirurgie an und erlernte die Unfallchirurgie bei Böhler sowie Kinderheilkunde bzw. Neurologie bei Reisner. Auslandsaufenthalte führten ihn in die USA nach New York, Boston und Minneapolis, sowie nach Frankreich nach Lyon. 1958 erlangte er die Anerkennung als Facharzt für Orthopädie.
Am 17. November 1971 habilitierte er sich mit der Habilitationsschrift: „Zur Indikation der dorsalen Spondylodese bei Skoliosen“. Am 1. Oktober 1982 wurde ihm der Titel eines außerordentlichen Univ.-Prof. verliehen. Seine beruflichen Höhepunkte waren einerseits die
Präsidentschaft der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie von 1980 bis 1981 mit Veranstaltung des erfolgreichen Kongresses in Villach, der unter dem Thema „Skoliose“ stand.
Nach dem unerwarteten Tod unseres damaligen Klinikchefs, Univ.-Prof. Karl Chiari, wurde Prof. Meznik von 1982 bis 1984 der supplierende Leiter der Orthopädischen Klinik. Im Jahr 1988, mit 65 Jahren, ging er in Pension, führte aber noch bis 2000 seine privatärztliche Ordination weiter und war als begehrter Konsiliarfacharzt im Warmbad Villach tätig.
Mezniks große Passion galt neben der Kinderorthopädie, und hier besonders der Hüftdysplasie, wie schon erwähnt, der Wirbelsäule im Allgemeinen und der Skoliose im Speziellen. Konsiliartätigkeiten an der Kinderklinik Glanzing gaben ihm reichlich Möglichkeiten, sich mit den Problemen der Kinderorthopädie auseinander zu setzen. Für die Einführung der Skoliosechirurgie vom Umkrümmungsgips nach Risser und der Fusion nach Hibbs über die Skoliosekorrektur in der Technik nach Harrington, bis zu den vorderen derotierenden Instrumentierungen nach Dwyer und Zielke war Meznik federführend tätig.
Privatleben
Mit 30 Jahren heiratete er die Tochter des bekannten Chirurgen Schönbauer, aus dieser Ehe stammen drei Söhne, Christian ist Orthopäde, Rainer Banker und Alexander Un-fallchirurg. Mezniks Hobbys waren neben seinem Beruf in erster Linie das Fliegenfischen an der Salzach, Bergsteigen und Bergwandern mit Vorliebe im Lungau, und der Schilanglauf. Erwähnenswert, dass er mit 70 Jahren noch den Korsalauf erfolgreich abgeschlossen hat. Das Fußballspiel mit seinen Söhnen schätzte er sehr und ich erinnere auch an die traditionsreichen Fußballspiele der orthopädischen Klinik gegen die Kieferchirurgie. Nicht zu vergessen seine Naturverbundenheit, seine Liebe zum Schwimmsport im kalten Wasser und seine große Zuneigung zu seinen Hunden. Sein typisches Erscheinen im Sommer: Khakianzug, geflochtene Halbschuhe, schwarze Strickkrawatte, braune Ledertasche. Im Winter: grauer Anzug oder Sportsakko, braune Clocks, schwarze Strickkrawatte, Burburry-Mantel und die unvermeidliche braune Lederaktentasche.
Natürliche Autorität
Sein Wissen gab Autorität. Er fand Gehör, auch wenn er mit leiser Stimme redete. Seine stille, zurückhaltende und bescheidene Art hat ihn zwar ausgezeichnet, wurde aber sicher nicht immer richtig verstanden. Sein Urteil zu neuen medizinischen Techniken war stets wohl überlegt und das Ergebnis eines sorgfältigen Abwägens. In Sitzungen, bei Kongressen und im Rahmen der wöchentlichen Chefvisite fand man ihn immer wieder still und konzentriert. Oft kam es vor, dass seine Argumente unwidersprochen blieben, gewissermaßen zum Resümee führten. Für Vorgänge, die nicht seine Zustimmung fanden, gab es nur die berühmte Handbewegung. Verlief sich die Diskussion für ihn in hoffnungslose Irrwege, stand er auf und verließ mit derselben Geste den Raum.
Er blieb in seinem gesamten Leben neuen Wegen gegenüber durchaus aufgeschlossen, aber immer besonders kritisch. Nie wurden wir Jüngeren, die wir mit Fragen kamen, abgewiesen, immer nahm er sich Zeit, um uns kompetent mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wenn wir damals Jungen ihm voll des Tatendranges mit verwegen erscheinenden Vorschlägen kamen, hörte er uns geduldig zu und gab, wenn angebracht, seine Bedenken auf taktvolle Weise zu erkennen. Machten wir Fehler, stellte er uns nie bloß.
Väterlicher Freund
Aus dieser Zusammenarbeit und der Anerkennung seiner feinen Persönlichkeit stammt meine Achtung vor ihm, die sich im Laufe der Jahre und der beruflichen Entwicklung zu einer väterlichen Freundschaft entwickelt hat. Neben dem immer wieder gewünschten beruflichen Erfahrungsaustausch besprachen wir uns auch in manchen privaten Fragen oder trafen uns bei sportlichen Aktivitäten. Nicht zu vergessen seine Liebe zu sauberen, herzhaften „Grünen Veltlinern“, eine Neigung, die ich gerne mit ihm teilte. In privater Atmosphäre konnte man ihn sehr entspannt und lustig erleben.
Im Herbst 2003 erkrankte er aus voller Gesundheit und hoher Aktivität. Nach nüchterner Betrachtung der Diagnose und Besprechung der therapeutischen Möglichkeiten mit seinen Söhnen entschloss er sich zur Operation. Daraus resultierte dann ein Leidensweg von über einem Jahr, auf dem ich ihn in freundschaftlicher Verbundenheit gemeinsam mit meinen Mitarbeitern und Vinzenz Grunert, dem Doyen der Neurochirurgie, auf großen Strecken begleiten durfte. Sein Umgang mit der unheilbaren Krankheit, die er mit großer Geduld und oft Verzweiflung ertragen hat, war für uns beispielhaft und zeigte seinen starken Charakter.
Größter Lichtblick in diesem Krankheitsverlauf war die Möglichkeit, während seines Todeskampfes nach einer Phase der Erholung noch einmal zurück ins Ruderboot steigen zu können, um Fliegenfischen zu fahren.
Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte er dann an der Orthopädischen Abteilung bei seinem Sohn Christian im Amstetten. Dies war sowohl in seinem, als auch im Sinne seiner Familie. So konnte er familiär umsorgt und adäquat und würdig gepflegt werden.
Unsere orthopädische Gemeinde verliert in Fritz Meznik einen Senior der Orthopädischen Chirurgie, viele von uns einen ihrer akademischen Lehrer, ich persönlich einen väterlichen Freund. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, wir werden dem lieben Fritz ein ehrendes Andenken bewahren.





